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«Mich regt grundsätzlich nichts auf – ich bin eher der ruhige Typ»

Giacomo Cigna ist seit einem Jahr Hauswart der Kronenwiese und Teamleiter Hauswartung Ost. Im Interview erzählt er, was er an seinem Job mag und worauf er Wert legt.

Was war Ihre Motivation, hier in die Kronenwiese zu kommen?
Ich habe mich eigentlich nicht auf die Kronenwiese selbst beworben, sondern auf den Job als Teamleiter Hauswartung Ost. Es ist üblich bei der Ligi, dass der Teamleiter eine Siedlung übernimmt. Mir wurde die Kronenwiese zugeteilt. Ich habe schon immer gerne Leute geführt. Begonnen habe ich als leitender Sanitärfachmann, dann bildete ich mich zum technischen Kaufmann weiter. Danach war ich als Teamleiter im Facility Management tätig und dann als Bereichsleiter Technik und Hauswartung angestellt – und jetzt bin ich hier.

Sie wollten also nicht unbedingt in die Kronenwiese?
Ich habe mich nicht explizit auf die Kronenwiese beworben. Aber es ist gut, hier zu sein. So weiss ich, wovon ich bei meinen Mitarbeitenden spreche. Ich habe sieben Leute, die ich führen darf, die Hauswartungen machen.

Haben Sie Ihren Job gern?
Also, wenn ich morgen im Lotto gewinnen würde, käme ich nicht mehr. (lacht) Aber im Ernst – ich mag meinen Job . Ich interessiere mich für die Technik und ich führe gerne. Wichtig ist mir der Umgang mit meinen Leuten auf Augenhöhe, die Transparenz. Der Job, den sie machen, ist anspruchsvoll. Jeder von ihnen betreut zirka 500 Wohnungen. Das sind viele Menschen, das gibt einiges zu tun.

Welche Probleme müssen Sie und Ihre Leute im Alltag lösen?
Wir haben sehr unterschiedliche Siedlungen mit unterschiedlichen Bewohnerinnen und Bewohnern. Was ich immer wieder feststelle, ist, dass die Leute gerne den Platz im Keller nutzen, um dort ihren Müll zu deponieren. Auch vor der Haustür stehen immer wieder Sachen. Das ist strengstens verboten, das sind Fluchtwege, wenn es brennen sollte.

Sicherheit ist Ihnen wichtig?
Exakt. Nehmen wir zum Beispiel die Schuhe vor der Haustür. Die können brennen, oder dienen als Stolpergefahr, es kann sich Rauch entwickeln. Als Feuerwehrmann muss man sich, im Notfall, durch die Treppenhäuser wagen, um Leute zu retten, das geschieht womöglich ohne jegliche Sicht aufgrund von Rauchentwicklung und einem allfälligen Stromausfall. Der Mieter ist sich oft nicht bewusst, dass er sich und andere in Gefahr bringen kann und fahrlässig handelt. Aber man kann sich damit auch selbst den eigenen Fluchtweg versperren.

Das nervt Sie?
Nicht wirklich, mich regt grundsätzlich nichts auf. Ich bin eher der ruhige Typ.

Wirklich? Ein Beispiel: überfüllte Veloräume …
… das regt mich nicht auf. Aber ja, wir räumen immer mal wieder die Velokeller auf. Als wir das letzte Mal hier in der Siedlung die Velos weggeräumt haben, da haben wir einen ganzen Raum – etwa 50 Quadratmeter gross – mit nicht mehr benötigten Velos, Trottinetts, Kinderwagen und anderem gefüllt. Das ist einfach unser Wohlstand. Die Leute lassen stehen, was sie nicht mehr brauchen.

Was ist mit Müll, der im Freien liegt, oder Sprayereien an den Wänden? Nervt Sie das nicht?
Damit rechne ich, auch wenn es nicht schön ist. Den Müll lasse ich teils absichtlich liegen, quasi zum Testen. Wir haben für das Aufräumen externe Firmen.  Ich kontrolliere dann, ob es gemacht wurde. Und die Sprayereien melde ich sofort. Wenn die Wände sauber sind, werden sie weniger schnell wieder versprayt. Aber es ist schon so: Die Sprayereien kosten in der ganzen Stadt Zürich einen Haufen Geld.

In der Siedlung war immer wieder die schlechte Reinigung in den Häusern ein Thema.
Wir hatten einige Reklamationen in der Kronenwiese. Seit November haben wir nun eine neue Reinigungsfirma eingestellt. Sie hat es bis jetzt gut gemacht. Die Lifte und die Treppenhäuser sind sauberer als vorher. Wobei ich sagen muss: Am Anfang arbeiten die Reinigungsfirmen jeweils sehr gut, dann flacht das manchmal ab. Wir sind aber dran, dass dies nicht passiert. Es steht und fällt mit dem Reinigungspersonal, das eingestellt wird und den Kontrollen, die gemacht werden.

Für die Mietenden ist das Ticketsystem bei Reparaturen umständlich. Viele würden lieber direkt mit einem Hauswart sprechen.
Mir ist das bewusst. Das System hat aber tatsächlich viele Vorteile. Sie müssen sich vorstellen, dass es bei so vielen Mietenden ganz schön viele Anfragen gibt. Das würde sehr viel Zeit beanspruchen. So sind wir effizienter und können uns auch um anderes kümmern. Zudem können wir die Meldungen auswerten. Wenn es an einem Ort immer wieder dieselben Reparaturen gibt, schauen wir, ob wir etwas ändern können. Ohne Ticket-System hätten wir nicht den gleichen Überblick.

Sie haben dadurch weniger Kontakt zu den Mietenden. Fehlt Ihnen das nicht?
Ich halte mich bewusst zurück, weil ich sonst sehr oft angesprochen würde und zu wenig Zeit für meine restlichen Aufgaben hätte. Man kommt aber automatisch in Kontakt mit den Leuten. Ich kenne mittlerweile doch etwa 50 Personen aus der Siedlung. Wenn ich meine Rundgänge mache und angesprochen werde, stelle ich mich selbstverständlich vor und schwatze ein wenig oder höre zu.

(Erstellung am 21. Dezember 2025)

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