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«Ich möchte hier bleiben» – das ist der grosse Wunsch von Zaara Abdalla Salim

Was kannst du gut?
Zaara Abdalla Salim: Ich kann es gut mit anderen Menschen. Ich mache viel mit meinen Freunden zusammen. Sie sind überall in der Stadt verteilt. Eine Freundin wohnt in der Siedlung, sie ist auch aus Somalia.

Warum bist du aus Somalia weggegangen?
Schon seit meiner Geburt ist dort Krieg. Ich war in Mogadischu zuhause. Ich habe selbst nichts Schlimmes erlebt. Aber wir haben viel gehört. Deshalb sind wir gegangen. Ich kam mit meinem Mann hierher. Nun bin ich seit fast 9 Jahren in der Schweiz.

Wie bist du in die Schweiz gekommen?
Ich habe in Bern schon alles erklärt. Ich spreche nicht gerne über die Vergangenheit.

Was sind für dich die grössten Unterschiede zwischen der Schweiz und Somalia?
In Somalia haben die meisten Menschen keine Arbeit, hier aber fast alle. Wenn man in Somalia kein Geld hat, hilft einem niemand. Hier schon. In der Schweiz gehen auch alle Kinder in die Schule. In Somalia gibt’s keine Schule, wenn die Eltern nicht bezahlen.

Wie gefällt es dir hier?
Früher war es schwierig. Wenn ich zum Beispiel etwas brauchte von der Apotheke, dann konnte ich es nicht sagen. Oder wenn ich zum Arzt musste, konnte ich nichts erklären. Ich habe dann jeweils eine Freundin mitgenommen. Heute geht es mir besser. Ich spreche jetzt besser Deutsch.

Du besuchst Deutsch-Kurse?
Ja, ich gehe jeden Tag 4 Stunden zur Schule. Wenn die Kinder ins Bett gehen, lerne ich jeweils noch. Aber es ist manchmal trotzdem noch schwierig. Wenn zum Beispiel ein Brief nach Hause kommt, den ich nicht verstehe, können mir den meine Kinder nicht immer übersetzen. Dann arbeite ich mit Google Translation. Und sonst bringe ich meiner Lehrerin den Brief. Ich versuche es aber zuerst immer alleine. Zum Beispiel habe ich beim Kronenwiese-Quiz mitgemacht. Ich habe nicht gewonnen, aber ich habe es alleine versucht.

Hast du einen Traum?
Einige von meinen Verwandten wohnen noch in Somalia. Manchmal erhalte ich schlechte Nachrichten von meiner Familie. Ich will diese Nachrichten gar nicht hören. Dann träume ich jeweils schlecht.

Ich habe eigentlich gemeint, was du dir wünschst für dein Leben.
Ach so, ich möchte gerne selber arbeiten, ich möchte selbstständig sein und mein eigenes Geld verdienen. Ich würde gerne Kinderbetreuerin sein. Oder Krankenschwester. Und ich will so gut Deutsch sprechen können wie meine Kinder.

Wann hast du das letzte Mal geweint?
Immer wenn Ferien sind, fragen meine Kinder, warum wir in kein anderes Land reisen. Alle andern Kinder machen das auch. Da habe ich geweint. Wir haben Status F und dürfen nicht ins Ausland in die Ferien.

Wovor hast du am meisten Angst?
Ich habe Angst, wenn ich in der Nacht alleine unterwegs bin. Aber ich gehe einfach nicht raus im Dunkeln.

Wir sind hier in der Schweiz. An den meisten Orten ist man sicher in der Nacht.
Für mich ist es gefährlich. In der Nacht sind manchmal betrunkene Männer unterwegs. Einmal war da einer. Er hat mir schlimme Dinge gesagt. Warum ich überhaupt in der Schweiz sei und so. Ich rannte weg.

Hast du oft Rassismus erlebt?
Das gibt es schon. Ich sass einmal im Zug einem alten Mann gegenüber. Er starrte mich die ganze Zeit an. Da hab ich den Platz gewechselt. Als ich ausstieg, kam er mir nach und sagte böse Sachen zu mir. Eine Frau fragte mich, ob sie die Polizei rufen solle. Aber ich lehnte ab. Ich will kein Aufsehen erregen.

Was würdest du ändern, wenn du Präsidentin der Schweiz wärst?
Ich würde machen, dass alle gleich wären, egal aus welchem Land sie kommen. Ich würde machen, dass ein Arbeitgeber alle gleich behandeln muss.

Suchst du Arbeit?
Wenn meine vier Kinder etwas grösser sind, suche ich Arbeit. Ich würde alles annehmen. Aber im Moment ist das nicht möglich. Ich lebe alleine mit den Kindern.

Hast du freie Zeit für dich?
Ich habe nicht so viel Zeit für mich. Ich gehe gerne mit meinen Kindern spazieren. Manchmal essen wir im Schindlergutpark. Ich gehe auch manchmal mit meinen Kindern joggen. Aber mehr so zum Spass, nicht so richtig joggen.

Wenn du dir selber eine Frage stellen könntest, welche wäre das?
Ich würde fragen: Bleibe ich immer in der Schweiz? Das ist meine grosse Frage. Ich fühle mich hier gut und möchte hier bleiben.

Zaara Abdalla Salim lebt zusammen mit ihren vier Kindern Nabil, Hodman, Hana und Nadir in der Siedlung.

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