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Ein Hund für Ilnur und Familie – Teil 2

Im April 2025 kam zu Ilnur und seiner Familie der Hund Lui, ein Assistenzhund. Er soll Ilnur im Alltag helfen, besser zurechtzukommen. Welche Gedanken sich Henrike damals dazu gemacht hat, liest du hier.

Seit  einiger Zeit lebt Lui bei euch Wie geht es euch mit dem Hund?

Lui bringt Entspannung, aber auch Spannung in die Familie rein. Es gibt die sehr schönen Momente, wenn wir mit ihm schmusen und auf dem Bett entspannen. Es gibt aber auch jene Momente, in denen alles zu viel wird. Wenn ich das Essen kochen sollte, der Hund grad ein Kuscheltier zerfetzt und die Kinder auch noch etwas von mir wollen.

Hast du dir das so intensiv vorgestellt mit dem Hund?

Ich wusste, worauf ich mich einlasse. Es zu leben, ist dann nochmal etwas anderes. Es ist ein bisschen so, wie wenn ich noch ein weiteres Baby hätte. Lui braucht ebenfalls viel Aufmerksamkeit, gerade jetzt, wo er am Erwachsenwerden ist. Er nimmt im Moment gerne die Sachen auseinander. Wir nennen ihn deshalb manchmal spöttisch, unseren «T-Rex». Im Moment habe ich keine Chance, einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Auch der Haushalt bleibt öfter mal liegen.

Wie habt ihr euch in der Familie die Arbeit mit Lui aufgeteilt?

Die Hundemama bin klar ich. Spazieren, zum Tierarzt gehen, füttern – viel mache ich. Lucien hilft aber auch mit.

Konnte Ilnur bereits eine Beziehung aufbauen zu Lui?

Wenn Ilnur nach Hause kommt, fragt er als erstes, wo Lui ist. Das ist ein gutes Zeichen. Auch wenn Ilnur einen Melt down, also einen psychischen Zusammenbruch hat, dann gehe ich mit Lui zu ihm. Dann streichelt Ilnur den Hund, ich merke, dass ihm das hilft.

Manchmal spielt Ilnur auch mit ihm, gibt Kommandos. Also ja, die Beziehung ist da. Es gibt aber noch Herausforderungen.

Die wären?

Im Moment beschäftigt uns, wie Lui Ilnur am bestem helfen kann, wenn Ilnur nach langen Schultagen nach Hause kommt. Ilnur ist oft wahnsinnig müde, völlig überreizt, will nur noch allein in seinem Zimmer sein. Eigentlich sollte Lui in diesem Augenblick helfen können, Ilnur beruhigen und ihn runterholen, indem er mit ihm kuschelt. Für Ilnur kann aber in solchen Momenten auch eine falsche Bewegung, ein falsches Geräusch von Lui schon zu viel sein. Daran arbeiten wir noch, dass gerade in solchen Momenten das Zusammenspiel klappt. Lui soll am Abend zur Routine von Ilnur gehören.

Das strengt an. Wie tankst du auf?

Ich mache Sport und einen intensiven Mittagsschlaf. Den Sport verbinde ich mit Lui, ich gehe mit ihm in den Wald spazieren, joggen oder ich mache den Vita parcours. Dreimal am Tag Bewegung, das gibt mir viel.

Du lernst über dich?

Ich lerne über mich, aber auch über Lui. Es läuft viel über die Körpersprache. Wenn ich auf Augenhöhe mit dem Hund bin, ist das etwas völlig anderes, als wenn ich in voller Grösse vor ihm stehe. Letzteres demonstriert dem Hund meine Macht und ist eine Bedrohung. Auch gelernt habe ich, wie sehr Lui die Emotionen spiegelt. Als ich etwa mit Lui das erste Mal ohne Trainer in die Migros ging, war ich nervös, weil ich nicht wusste, ob alles klappt mit dem Hund. Lui wurde sofort auch nervös. Wenn man also mit einem Hund arbeitet, muss man auch seine eigenen Emotionen kontrollieren. Ich muss also auch gut in mich hineinhorchen, wenn ich von Lui etwas will.

Was kann Lui schon?

Wenn ich ihm sein blaues Mäntelchen anziehe, dann ist er sofort im Arbeitsmodus. Es gibt Lui, den Teenager und es gibt Lui, den Arbeiter. Wenn er also im Arbeitsmodus ist, geht vieles schon recht gut. Er geht schon super an der Leine. Auch in der Migros ist er konzentriert. Wenn ich etwa in die Fleischabteilung gehe, dann muss er in der Ecke liegend warten, ohne dass ich ihn anbinde. So lange, bis ich wieder zurückkehre. Zudem darf er in der Migros nichts beschnüffeln. Das klappt schon ganz gut.

Woran arbeitest du mit ihm?

Er darf nicht einfach losrennen, wenn er etwas mit Darwa im Hof ist und etwas riecht. Er wiegt mittlerweile 37 Kilo. Er hat viel Kraft. Das kann schon auch einmal zu einem Sturz führen, wenn er einen überrascht. Ich selber kenne Lui mittlerweile gut und kann antizipieren. Grundsätzlich arbeiten darauf hin, dass Lui mit dem blauen Mäntelchen überall Zutrittsrecht hat, auch dort, wo Hunde normalerweise verboten sind.

Woran muss Lui arbeiten im Moment?

Zum Beispiel Kommandos. Etwa wenn Lui im Freilauf ist und ich ihm «stopp» und «sitz» befehle, muss er gehorchen, auch wenn er zehn oder mehr Meter weit weg von mir ist. Zudem soll er an verschiedenen Orten, der Migros, dem Restaurant oder im Auto ruhig bleiben und gehorchen. Oder er soll am Bahnhof konzentriert neben mir gehen können. Das ist im Moment noch schwierig, er hat gerne Tauben. Abgesehen von den Tauben muss er am Bahnhof auch lernen, trotz vieler Menschen und Reize fokussiert zu bleiben.

Wie reagieren die Menschen auf Lui?

Wenn er sein Trainingsmäntelchen trägt, darf man ihn nicht berühren. Wenn ich Menschen auf der Strasse begegne, muss Lui warten, bis ich sage, jetzt ist es ok. Dann darf man streicheln. Viele halten sich nicht daran und warten nicht ab. Sie greifen Lui an den Kopf. Das mögen Hunde in der Regel nicht. Alles, was von oben kommt, ist für Hunde eine Bedrohung. Ich bin deshalb froh, wenn man Geduld hat und auf mein Kommando wartet.

(Erstellt am 22. Mai 2026)

Auf Instagram

Die Familie ist mit Lui auf Instagram zu finden unter «g_licht_und_lui». Dort zeigt Henrike die Trainingsfortschritte, wie sich Ilnur und Lui anfreunden oder was sonst noch bewegt.

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